Ein exclusives Interview mit Naish-Paddlerin Jenny Kalmbach:

Jenny Kalmbach lebt und arbeitet in Hawaii. Die Liebe zum SUP-Sport entdeckte die 33-Jährige schon vor 10 Jahren als die Abkürzung SUP nur Wenigen etwas sagte. Wir haben sie gefragt, was sie so toll daran findet, was sie anderen Paddlern raten würde und wie ihre eigenen Pläne für die Zukunft aussehen.

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Jenny Kalmbach

Jenny, seit 10 Jahren nun schon zählt das Stand-up-Paddling zu deinen liebsten Funsport-Arten. Was ist das aufregendste daran?

2006 fing ich an, auf einem SUP zu stehen. Da war der Sport noch sehr neu. Ich verliebte mich aber sofort ins Paddeln. Es ist einfach eine schöne Art das Meer oder andere Gewässer wie Seen oder Flüsse zu erkunden. Es ist auch ein tolles Workout, weil man so viele Muskeln beansprucht dabei. Was den SUP-Sport von anderen Wassersportarten unterscheidet, ist, dass du aufrecht auf dem Wasser stehst, so hast du einfach eine andere Perspektive. Du schaust runter ins Wasser und siehst Dinge, die du nicht gesehen hättest, würdest du auf dem Brett sitzen.

Hast du jemals andere Funsport-Arten probiert? Wenn ja, welche und welche würdest du nach dem SUP bevorzugen?

Ich mag es zu Surfen und Surfski (Anm. d. Red.: ein spezielles Kajak zum Obenaufsitzen) zu fahren – einfach alles, wobei man auf dem Wasser und aktiv ist. Leider habe ich noch kein Kitesurfen ausprobiert, aber es sieht nach einer Menge Spaß aus. Vielleicht eines Tages … An Land mag ich es Fahrrad zu fahren und Golz zu spielen. Viele denken, dass Golf langweilig ist, aber wenn du einmal damit angefangen hast, macht es einfach so viel Spaß. Es fordert mich richtig heraus, das mag ich. Mal gehst du raus und spielst richtig gut und am nächsten Tag ist es so, als ob du niemals zuvor gespielt hast. Es bringt einem bei, ruhig zu bleiben und zu fokussieren. Es hat mir beigebracht, dass es nicht immer um Stärke und Kraft geht. Wie im Golf so auch im Leben geht es ums Tempo, mit dem Flow gehen.

An welchem Ort paddelst du am liebsten?

Ich habe schon so manche schöne Orte bepaddelt: Tahiti, Costa Rica, Lake Tahoe, Hawaii und viele mehr. Aber mein Lieblingsort zum Paddeln ist Zuhause in Kona (Hawaii). Ich bin froh an einem so tollen Ort zu wohnen. Das Wasser ist klar und war. Es gibt gesunde Riffe und eine Menge Fische. Und an den meisten Morgen, wenn ich paddle, sehe ich Delphine.

Der SUP-Sport wird wie so viele andere Funsport-Arten von Männern dominiert. Wie fühlt es sich da an, eine von wenigen Frauen zu sein?

Ich denke nicht, dass der SUP-Sport von Männern dominiert wird. Ich denke, dass es sehr ausgeglichen ist. Aber es stimmt, dass die Wettkämpfe sehr von Männern bestimmt sind. Nichtsdestotrotz sehe ich einen Anstieg an Frauen, die an solchen Wettkämpfen teilnehmen und das ist sehr aufregend. Bei den Pacific Paddle Games in diesem Jahr war ich so beeindruckt von den ganzen jungen Mädchen, die sich mit den Pros gemessen haben und sie waren so konkurrenzfähig. Das zeigt mir, dass die Zukunft im Frauen-SUP eine rosige ist und vielleicht können wir eines Tages genauso viele Frauen wie Männern bei den Wettkämpfen haben.

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Dein letzter großer Sieg auf Bora Bora liegt jetzt 3 Jahre zurück. Warum? Hast du dich mehr auf deine Coaching-Karriere konzentriert? Oder arbeitest du als Psychologin? Das war es doch, was du an der University of British Columbia studiert hast, oder?

Das Ironmana-Rennen auf Bora Bora war mein letzter Sieg, aber ich hatte ein paar gute Ergebnisse seitdem. 2015 wurde ich dritte beim Molokai to Oahu race und Zweite im Jahre 2014. Auch wurde ich 2014 Zweite beim Carolina Cup, bei dem ich den ersten nur um 1 Minute verpasst hab. Ich fahre Rennen seit 2007 und nach so vielen Jahren des Trainings, Rennen Fahrens und Reisens, fühlte ich mich ausgebrannt. So habe ich 2015 beschlossen eine Pause zu machen. Ich arbeite seit dem letzten Jahr wieder Fulltime und mache das in einem privaten Beach Club. Dort lehre ich SUP, Surfen und Kanu fahren – was für ein Traumjob!

Ist es möglich vom SUP-Sport zu leben? Erzähl uns mehr über deinen Coaching-Job!

Ich bin so dankbar für die ganzen Erfahrungen, die ich beim SUP fahren sammeln konnte – angefangen beim Freunde und neue Leute aus der ganzen Welt treffen, bis hin zum Reisen zu schönen, exotischen Orten. Aber der Sport ist nichts wovon du leben könntest. Ja, es gibt einige große Rennen mit großen Preisgeldern, aber die Kosten, die für das Reisen, das Training, das Equipment und so weiter anfallen, fressen das Ganze auf. Zum Glück hatte ich Sponsoren, die mich über die Jahre unterstützt haben, aber nach einer Weile habe ich beschlossen, ein neues Kapitel anzufangen und mich mehr auf meine Karriere zu konzentrieren. Ich wusste, dass ich nicht für immer Rennen fahren würde. So habe ich mir Gedanken gemacht und mich mehr auf andere Dinge konzentriert. Ich habe festgestellt, dass das Coaching sehr gefragt ist. Ich würde sagen, dass das eine größere Karrierechance bietet als das Fahren bei Wettbewerben.

Was würdest du anderen Stand-up-Paddlern raten? Was müssen sie beachten?

Ich würde mit einer Unterrichtsstunde bei einem Profi starten oder jemanden, der Erfahrungen hat mit dem Paddeln. Es gibt ein paar Basictipps, die Anfängern helfen. Beispielsweise sollte man seine Augen immer auf den Horizont richten – und nicht runter auf seine Füße. Und man sollte sicherstellen, dass man wirklich paddelt und sich vorwärtsbewegt. Ich betone auch immer wieder wie wichtig es ist, gutes Equipment zu haben – das richtige Brett und das richtige Paddel machen schon einen Unterschied. Probiert unterschiedlichstes Equipment aus bis ihr was gefunden habt, das ihr liebt! Und natürlich das Wichtigste: Sicherheit!! Paddelt nie allein oder wenn doch, erzählt jemanden, wo ihr hinfahrt. Tragt eine Leine und fahrt NIEMALS raus, wenn die Bedingungen nicht so sind, wie ihr euch wohlfühlt. Sogar die besten Paddler geraten auch mal in Schwierigkeiten.

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Nun einige Fragen zu deinem Privatleben: Du bist in Costa Rica geboren und bist dort zu High-School gegangen. Sind deine Eltern Costa-Ricaner? Ich frage, weil dein Familienname sehr deutsch klingt. Hast du deutsche Vorfahren?

Ja, mein Nachname ist deutsch. Meine Ur-Ur-Großeltern sind aus Deutschland in die USA gekommen, aber ich weiß nicht viel von ihnen. Meine Eltern sind Amerikaner, aber sind nach Costa Rica gezogen. Für mich ist Costa Rica meine Heimat und die wird es immer bleiben. Irgendwann möchte ich mal mehr über meine Vorfahren erfahren und wissen, wo genau ich aus Deutschland herkomme.

Was tust du, wenn du mal nicht auf einem Brett stehst? Hast du andere Hobbies?

Golfen! Ich liebe Golfen. Wenn ich mal nicht golfe oder paddle, fahre ich liebend gern auf dem Fahrrad oder gehe auf Inselerkundungen mit meinem Mann.

Welche Pläne für Zukunft hast du?

Zurzeit habe ich keine großen Pläne. Ich mag es so in den Tag zu leben. Ich konzentriere mich auf meine Karriere. SUP war die letzten 10 Jahre ein großer Teil in meinem Leben, daher bin ich noch nicht bereit Tschüss zu sagen, aber ich möchte keine Rennen mehr fahren. Vielleicht werde ich aber doch mal ein Rennen mitfahren, wenn ich mich danach fühle. Ich möchte einfach meinem Herzen folgen und darauf hören, was es mir sagt.

Vielen Dank für das Interview, Jenny!

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Wer ist Jenny Kalmbach?

Jenny ist geboren und aufgewachsen in Costa Rica. Nachdem sie an der High-School in San Jose ihren Abschluss machte, zog sie nach Vancouver (Kanada), um dort auf die University of British Columbia zu gehen. 2005, nachdem sie mit dem Psychologie-Studium abschloss, zog sie nach Kona (Hawaii).

2008 gewann Jenny das Battle of the Paddle, angetreten als Unbekannte, aber den Sieg eingeheimst. Weitere Erfolge stellten sich ein. Das Standup Paddle Magazine nannte sie mal eine der erfolgreichsten Paddler. 2011 wurde sie zum weiblichen Paddler des Jahres gewählt.

Seit 2010 setzt sie sich zusammen mit Morgan Hoesterey dafür ein, ein Bewusstsein für die großen Plastikinseln in den Ozeanen.

Ihre Erfolge:

2013 Bora Bora KXT Ironmana Champion
2012 Hennessey’s World Champion Long Distance
2011 Female Paddler of the Year
2010 Destination 3 Degrees – 300 miles across Hawaii’s Channels
2009 Molokai to Oahu Champion
2008 Battle of the Paddle Elite Champion

Seid ihr nun völlig kribbelig in den Finger und wollt unser SUP-Angebot durchprobieren? Dann nichts wie auf FUNSPORT.de vorbeigeschaut und durchgeklickt. Wir stehen euch auch gern beratend zur Seite!

Fotos: Jenny Kalmbach